08 | November | 2013

Allein unter Männern: weibliche Führungskräfte im Mittelstand.

Auch nach Jahrzehnten der Emanzipation sind Frauen in Führungspositionen immer noch in der Minderheit - gerade im technisch geprägten Mittelstand. Doch es gibt sie: mit Ilona Bressel, Manuela Haubenhofer und Monika Lang haben wir drei Damen aus der VESCON Gruppe zu ihren Rollen als Vorgesetzte befragt.

"Frauen sollten einfach ihren Weg gehen."

Die Statistik ist eigentlich erfreulich: nach Analysen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung lag der Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Privatwirtschaft 2010 bei 30% - und damit 8% höher als noch 2001. Trotzdem sind Frauen auf dieser Ebene nach wie vor unterrepräsentiert. Gerade in technisch geprägten Unternehmen ist eine Chefin leider immer noch die Ausnahme.

 

Auch in der VESCON Gruppe zeigt sich ein ähnliches Bild: Wie fühlt man sich als Vorgesetzte in einem männlich dominierten Arbeitsumfeld? Und was könnte VESCON tun, damit mehr Frauen Führungsaufgaben übernehmen? Ilona Bressel, Niederlassungsleiterin der VESCON Process GmbH in Schwarzheide, Manuela Haubenhofer, Leiterin des kaufmännischen Bereichs der VESCON GmbH in Frankenthal, und Monika Lang, Geschäftsführerin der K-ROB GmbH in Reiskirchen standen uns Rede und Antwort.

 

Redaktion: Frau Bressel, Frau Haubenhofer, Frau Lang, wie lange sind Sie schon bei VESCON und wie wurden Sie zur Führungskraft?

 

Lang: Bei K-ROB habe ich 1996 angefangen und als rechte Hand der Geschäftsführung gearbeitet. Als K-ROB dann 2009 zu VESCON kam, wurde ich kurze Zeit später als Geschäftsführerin eingesetzt. Für die VESCON war eine Frau in dieser Position eine ganz normale Sache.

 

Bressel: Ich kam 2007 als Projektleiterin zu VESCON nach Schwarzheide und seit September 2012 arbeite ich hier als Niederlassungsleiterin. Geplant habe ich das nicht, es hat sich einfach so ergeben, vielleicht auch aufgrund meiner Erfahrung.

 

Haubenhofer: Ich habe 1997 in der Verwaltung bei VESCON in Frankenthal angefangen, das damals noch ein vergleichsweise kleines Unternehmen war. Je größer wir wurden, desto mehr bin ich in diese Aufgabe und Position hineingewachsen.

 

Redaktion: Hat sich für Sie im Umgang mit Kollegen oder Kunden etwas verändert, als Sie Führungskraft wurden?

 

Bressel: Nein, überhaupt nicht. Mit meinen Kollegen habe ich schon seit vielen Jahren ein sehr gutes Verhältnis, an dem sich auch als Niederlassungsleiterin nichts geändert hat. Sie kennen meine Arbeit und akzeptieren mich, da war das fast nur eine Formalie. Und unsere Kunden legen da nicht so viel Wert darauf, ob nun ein Mann oder eine Frau die Niederlassung leitet. Das Wichtigste ist das Ergebnis.

 

Haubenhofer: In meinem Umfeld hat sich auch nichts verändert. Bei mir war es ja ein fließender Übergang in diese Position, die Kollegen und Geschäftspartner kannten mich und meine Arbeit schon lange. An dem guten Verhältnis und der Zusammenarbeit änderte sich daher nichts.

 

Lang: Für mich war das am Anfang schon ein wenig ungewohnt. Aber zu Problemen hat das nie geführt. Auch bei den Kunden ist eigentlich alles völlig normal. Ich merke sogar oft, dass man als Frau besser vermitteln kann zwischen Kunden und Kollegen. Vielleicht weil man mit Frauen respektvoller umgeht?

 

Redaktion: Trotz aller Betreuungsangebote und immer mehr "Hausmännern" müssen sich viele Frauen heute noch immer zwischen Karriere und Familie entscheiden. Wie sehen Sie das und haben Sie diese Situation selbst auch erlebt?

 

Bressel: Grundsätzlich denke ich auch, dass diese Entscheidung heute noch oft getroffen werden muss, da beides zusammen unter einem Hut sehr schwierig ist. Bei mir selbst hat sich das eigentlich glücklich gefügt: zuerst war da die Familie, und nachdem meine Tochter einigermaßen selbstständig war, ergaben sich beruflich für mich mehr Möglichkeiten.

 

Lang: Ja, das sehe ich genauso. Wenn man kleine Kinder hätte, dann müsste man sich schon entscheiden. Aber als es bei mir im Beruf sozusagen interessant wurde und ich eine Führungsposition übernahm, waren meine Kinder zum Glück schon erwachsen.

 

Haubenhofer: Ich kenne die Situation aus eigener Erfahrung. Auch ich musste mich entscheiden und habe beides gewählt, Familie und Beruf. Heute habe ich neben meiner Tätigkeit bei VESCON auch noch eine Familie mit zwei Kindern, acht und zehn Jahre alt. Da ist es natürlich nicht immer so einfach, beides miteinander zu vereinen.

 

Redaktion: Was würden Sie Frauen in diesem Punkt also raten?

 

Haubenhofer: Das ist immer eine individuelle Entscheidung, die von vielen Faktoren abhängt. Generell kann man vielleicht sagen, dass man sich als Frau keinem gesellschaftlichen oder sozialen Druck beugen sollte, sondern wirklich seine eigene Entscheidung treffen sollte. Schließlich muss man dann ja einige Jahre damit leben.

 

Bressel: Wenn man beides möchte, Familie mit Kindern und eine berufliche Karriere, ist es vermutlich am besten, in jungen Jahren mit der Familie zu beginnen um dann später die Zeit und Ruhe für die beruflichen Ambitionen zu haben.

 

Lang: Da kann ich mich nur anschließen: Man hat später auch noch genug Möglichkeiten sich beruflich zu verwirklichen. Natürlich gehört Engagement, Ehrgeiz und Weiterbildung dazu.

 

Redaktion: Denken Sie, dass auch das einzelne Unternehmen beziehungsweise seine Kultur mit darüber entscheidet, ob Frauen eine Führungsposition erreichen?

 

Haubenhofer: Ich glaube schon, dass die Branche und die Struktur eines Unternehmens dabei immer noch eine Rolle spielen, gerade in traditionellen Männerdomänen. Wobei es in meinem Bereich, also in der Verwaltung, noch mal etwas anderes ist als im technischen Bereich. Und natürlich kommt es auch auf die Unternehmenskultur an: bei VESCON herrscht generell eine offene Kultur und die Hierarchien sind flach. Davon profitiert man auch als Frau, deren Qualifikation vielleicht leichter erkannt wird.

 

Bressel: Die Tatsache, dass ich bei VESCON arbeite, war mit Sicherheit auch ein Grund dafür, dass ich heute diese Position begleite und von jedem akzeptiert werde. Die Unternehmens- und Führungskultur eines Unternehmens muss dafür auch offen sein. In einem anderen Unternehmen wäre das vielleicht schwieriger gewesen.

 

Lang: Ich hab das ähnlich erlebt. Der Rückhalt für mich als Frau auf allen Ebenen war und ist sehr groß. Ich glaube schon, dass das eine Rolle spielt und VESCON auch auszeichnet.

 

Redaktion: Gibt es trotzdem noch etwas, das VESCON Ihrer Meinung nach verbessern könnte, damit in Zukunft mehr Frauen in Führungspositionen tätig werden?

 

Bressel: Aus meiner Sicht sollte die Offenheit gegenüber diesem Thema einfach beibehalten werden. Bei VESCON entscheidet die Leistung und die Qualifikation darüber, wer eine Führungsposition erreicht. Und das ist eigentlich die beste Voraussetzung.

 

Lang: Natürlich ist ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis auch in Führungspositionen wünschenswert. Aber dafür müssten vermutlich auch insgesamt mehr Frauen in unserer Branche und bei uns tätig sein. Aber vielleicht spricht sich das ja herum, wenn VESCON "seinen" Frauen weiterhin Wege öffnet und auf Chancengleichheit setzt.

 

Haubenhofer: Da kann ich mich meinen Kolleginnen nur anschließen. Die Unternehmensstruktur und -kultur bei VESCON legen Frauen keine Steine in den Weg. Wenn das so bleibt, haben wir eine gute Voraussetzung, um für karriereinteressierte Frauen ein interessanter Arbeitgeber zu sein.

 

Redaktion: Und zu guter Letzt: haben Sie noch einen Karrieretipp für Frauen? Also sozusagen von Frau zu Frau? Bressel: Frauen sollten einfach ihren Weg gehen und sich von Männern, die vielleicht noch ein altes Rollenbild pflegen, nicht unterkriegen lassen.

 

Lang: Am besten, man konzentriert sich auf die Stärken, die man als Frau ja auch hat. Soziale Kompetenz spielt heute eine sehr wichtige Rolle. Ich denke, das kommt Frauen entgegen.

 

Haubenhofer: Einen pauschalen Tipp habe ich leider nicht. Das kommt immer sehr auf die individuelle Persönlichkeit und die jeweilige Situation an.

 

Redaktion: Frau Bressel, Frau Haubenhofer, Frau Lang, vielen Dank für das Gespräch.